Zum Verständnis

Du mußt! Du mußt, Du mußt pünktlich kommen. Denn wenn Du, zur gewohnten Zeit losgegangen aber dennoch zu spät, den Bus erreichst gerade noch, aber in unchristlicher Hast, und unter den mißbilligenden Blicken der Sicheren, die rechtzeitig am Ziel ankommen werden, denn nur Dein Weg ist stets der Längste, suchst Du einen Platz in dem vollgedrängten Bus, den es dort für Dich nicht gibt, und entscheidest Dich endlich zögerlich, da für den Bus im Stau kein Vorwärtskommen mehr möglich scheint, endlich, aber längst zu spät, auszusteigen um zu Fuß aus eigener Kraft weiterzukommen und Du marschierst im Schnee verbissen gegen die Zeit und vom unerbittlichen Ticken Deiner Uhr getrieben, rennst Du, doch zu spät, zu spät, längst entatmet und nur noch kraft des ersterbenden Willens, stolperst, stauchelst, kriechst Du den Rest des unendlich langen Weges und erfroren, zerfetzt und verzweifelt, wenn Du endlich das Klassenzimmer betrittst, zu spät, zu spät, viel zu spät (ca. 5 min), dann trifft Dich der gerechte Zorn der Autorität.

Wenn Du aber über Dich selbst hinauswachsend, das Haus hast Du schon um 6 Uhr verlassen, willig den Ranzen, der Dir keine Last scheint, durch den Schneesturm tragend, den Du besänftigst mit Siegerlächeln; Deine Müdigkeit hast Du abgeworfen und hinter Dir gelassen, wie bald schon den größten Teil des Weges und mit schier unermeßlichen Kräften und alle Mauern durchbrechend und allen Widernissen trotzend und drei Schritte auf einmal nehmend strebst Du auf Dein Ziel zu, jetzt bezwingst Du schon die letzte Treppe im Schulhaus, erreichst Deinen Platz noch vor dem Klingeln – und wenn voller Stolz, denn Du bist schon angekommen, Du es wagst, Dein Gesicht zu heben zu Deiner Autorität, dann übersieht man Dich. Und Du bist einer von vielen.