Vor nun mehr zwei Jahren warf unsere Bildungseinrichtung mehr lagebedingt, denn durch ihre Qualifikation als Fakultät der schönen Künste ihren nunmehr veralteten Titel ab, um sich im neuen Glanze des bedeutungsschwangeren Namens "Joseph Haydn" zu sonnen. Seitdem entsteht oft der falsche Eindruck, die Schülerschaft hätte wenigstens etwas mehr als den Hauch einer Ahnung von Leben und Werk des Namenspatrons ihrer Anstalt. Leider ist dieser Hauch nicht existent.

Aus diesem Grunde sehen wir uns dazu veranlaßt, diesen Bildungsmißstand zu bekämpfen. Deshalb nun zum ersten Mal und exklusiv nur in der INKOGNITO:

"Das Lotterleben des Sepperl H (punkt)"

Gehen wir zurück ins Jahr 1745. Die Vögel singen: Es ist Pfingsten, auch im Schloß Schönbrunn (Sommerresidenz des Kaisers). Der Knabenchor von St. Stephan tobt sich nach getaner Pflicht im Park des oben genannten Bauwerkes aus, indem sie auf Bäume und Gerüste der neu entstandenen Anlage klettern. Schon damals äußerte sich die Außergewöhnlichkeit Sepperls in seiner unbändigen Art, mit der er sich wie-derholt den Zorn des Hofkapellmeisters Reutter zuzog. Die Kaiserin aber, fasziniert von dieser Ungestümheit des "...blonden Dickkopfes.", läßt Sepperl mit einem Schilling "belohnen".

Moral: Schlechtes Benehmen zahlt sich in "klingender Münze" aus.

Nichtsdestotrotz setzt Sepperl seine Lumpereien unbeirrt fort. Mittlerweile befinden wir uns im November des Jahres 1749. (Die Vögel sind weitergezogen.) Der streichbegabte Joseph erwählt nun auch Mitschüler zum Ziel seiner Missetaten.

Traurig, aber wahr: Sepperl trennt unter Zuhilfenahme einer Schere den Zopf vom Kopf eines vor ihm sitzenden Kameraden. Dieser Untat verdankt er seinen Ausschluß aus dem Institut, "Joseph [aber] fühlte sich wie ein gefangener Vogel, dem sich unverhofft die Tür des Käfigs öffnet."

Moral: Plätze vor Musikgenies sind gefährlich.

("Sepperl" ist übrigens keine Erfindung der Redaktion, sondern ein authentischer Spitzname Haydns.)

Bärbel