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Parabel nach Kafka | Tafelschwämme an die Macht | Winterimpressionen | Maskenball
   
Nach einer Parabel von Franz Kafka

"Ach", sagte der Arbeitnehmer,
"mein Job wird immer unsicherer.
Früher brauchte ich darum nicht
zu bangen und fühlte mich unbesorgt.
Hoffentlich kommt bald Rettung
und mir geht´s wieder gut."
"Sie müssen nur flexibler und besser sein",
sagte der Arbeitgeber und feuerte ihn.

Anne Frohburg, 11D3

Rede des Tafelschwammes (Vorsitzender des Tafelschwamm e.V.)

Sehr geehrte Tafelschwämminnen und Tafelschwämmer!
Wir, die wir in diesen angeblich so luxuriösen Schulgebäuden eine geächtete Randgruppe bilden und unsere schmutzige Existenz fernab jeglicher Anteilnahme fristen ...-wir, ja, wir planen eine Revolution, nein, was rede ich: DIE Revolution!

Wir wollen raus, raus aus unseren stinkenden Ecken, raus aus unserem schleimigen Kreidesud, einfach raus aus unserem vergilbten Alltag.

Wir fordern Vergeltung sowie sofortige Abschaffung sämtlicher Lappen.
(Diesbezüglich müssen wir auch ein öffentliches Versammlungsverbot aller rechtlich anerkannten Lappenvereine erbitten, da von diesen eine - oftmals von Außenstehenden unterschätzte - enorme Gefahr für unsere freie Entfaltung ausgeht.)

Wir verlangen eine ausreichende Pflege, verbunden mit viel mehr Zuwendung, und eine umfassende Altersvorsorge.
Wir werden die - uns gegenüber - ablehnende Haltung der vorurteilsbeladenen Bevölkerung nicht länger dulden.

TAFELSCHWÄMME AN DIE MACHT!

Quellen auch Sie aus den Schatten der verkeimten Waschbecken oder Kreideablagen den Lappen entgegen!

WERDEN SIE AKTIV!
AUF ZUM KAMPF!

Franziska Schlegel, 9a

Winterimpressionen

Eine weiße weiche Decke
legt sich über unser Land.
Und die Landschaft ist verzaubert
wie von Wunderhand.

Der Wind saust durch die kahlen Räume,
Durch die Herzen unsere Träume.

Vom Himmel schweben sanft Schneeflocken,
Von Ferne hören wir süße Glocken.

Aus den Schornsteinen steigt leis'
der Rauch
In den friedlichen Gassen liegt Weihnachtshauch.

Alles Grün ist nun verborgen
Wieder ist es Winterzeit.
Und wir wandern ohne Sorgen
durch die schneeverwehte Einsamkeit.

Anja Steglich, 9d

Maskenball

Blaue Regentropfen schwer und lang
wie sie sind an diesem Fenster
durch welches ich jetzt sehen kann
in die blaue weite Nacht
die vor meinen Augen zum Leben nun erwacht
oder doch zum Tod?

Genauer seh ich hin, kann sie alle sehen
wirbelnd tanzend voller Farbenbracht.
Lachende Gesichter, kein einziges traurig
keine Träne fällt klirrend zu Grunde
Musik erfüllt den Raum
leis kann auch ich sie hören
fühl es ist kein schöner Traum.
Und jeder tanzt in seiner Runde immer um sich selbst herum
fröhlich lächelnd. selbstbetrunken
jeder in sich selbst versunken
jeder an sich selbst gedacht.
Unter Masken zu verstecken, wahrlich einfach kann es sein
wenn jedes Auge aufgenommen was es gerade selbst gemacht
und mit wütendem Gesichte Fröhlichkeit entgegenlacht.
Und weiter, weiter geht der Tanz
im hellen Schein der Nacht
Maskenball im trüben Glanz die ganze Welt entfacht.
Doch plötzlich eine Melodie von Kinderhand gespielt
von einer kleinen Geige.
Woher aus welcher Richtung? - nur hören kann ich sie
der Tanz verliert an Sicherheit
Masken lachen fragend
wohin ist jetzt die Föhlichkeit
woher die Töne sanft und tragend?
Versuche sich zu drehen
auf alte Weise, wirbelnd um sich selbst herum
manche Masken gehen, andere masken lachen stunn.
Wo ist sie geblieben die Maskenbildnerin?
Schreiend Masken bröckeln verlieren ihren Sinn
Gefühle zu verbergen
wohin nur mit der Wirklichkeit
wo kann man sie verstecken
Hände nun verdecken was unter Masken lag.
Ein lauter Schrei
verzweifelt bleibt er starr im Raume stehn
erschrockene Hände fallen
jeder kann nun sehen, wie anders Gesichter ohne Masken sind.
Verwirrung überall im Stein
welcher einmal warm gewesen
früher hieß er Herz.
Totgetanzte Körper brechen ineinander ein
völlig in dem Schmerz verloren
verloren in dem falschen Schein der Nacht
liegen sie am Boden.
Nichts steht mehr alles ist kaputt.
Mit kleinen Kinderhänden gespielte Melodie
ganz wenig Augenpaare stehne wieder auf
manche tun es nie.
Blaue Regentropfen, verirrte Tränen
oh, könnte ich nur sehen
wo sie einmal waren
vielleicht werden sie jetzt vermißt.

Annegret Hoffmann, 10d