<< INHALT

Auf Lessings Spuren | Ein Besuch im "Dresdner Hilton"

Schon lange haben wir uns auf diesen Tag gefreut, denn ein Tag in Kamenz bedeutet ein Tag ohne Unterricht. Am Donnerstag war es dann soweit. Mit Frau Herbst und einer Klasse aus Niederpoyritz haben wir uns am Bahnhof getroffen und nach einer äußerst lustigen Zugfahrt kamen wir bei strahlendem Sonnenschein in Kamenz an. Vor uns lagen ein Stadtrundgang, der Besuch im Museum und schließlich 2 Stunden Freizeit, um auf eigene Faust die Stadt zu erkunden. Ausgangspunkt unseres Streifzuges war das Lessing-Haus, in dem sich zu Ehren des Schriftstellers ein kleines Museum befindet. Hier wurden die Klassen getrennt und während die Niederpoyritzer zuerst das Museum besuchten, besichtigten wir mit einer netten Leiterin die Stadt. Der Weg führte rechts vom Lessing-Haus weg zur Klosterkirche "St. Annen". In das Klostergebäude, welches an der Südseite der Kirche angebaut war, zog 1570 die Ratslateinschule, die Lessing vom 1738 bis 1741 besuchte. Das Gebäude wurde 1842 ein Opfer der Flammen. Hier erkannte der junge Lessing seine Liebe zur Schauspielerei, da der Rektor der Schule der Leiter des Kamenzer Schultheaters war und er die lateinische Sprache seinen Schülern am liebsten durch die "Schauspielerei" näherbrachte. Doch der Vater von Lessing war damit nicht ganz einverstanden, da für ihn das Theater unmoralisch war. Nachdem zahlreiche Fotos geschossen wurden, liefen wir durch das Klostertor in Richtung Fleischbänke. Zu Lessings Zeiten waren diese "Bänke" Bretterbuden und dienten den Handelsleuten, ihre Ware anzubieten. Jeden Donnerstag fand an dieser Stelle der traditionelle Wochenmarkt statt. Diesen hat Gotthold Ephraim Lessing mit Sicherheit erlebt, da er für die Stadt damals eine lebenswichtige Funktion hatte. Kurz darauf erreichten wir das Lessinggässchen. Hier befindet sich die Gedenkstätte für Lessing. An dieser Stelle stand sein Geburtshaus, an das heute nur noch ein Relief erinnert. Ursprünglich wurde das Gebäude 1542 als Schulhaus errichtet. Doch nach 1580 diente es evangelischen Geistlichen als Wohnstätte und der Vater von Lessing, Johann Gottfried Lessing, lebte bis zum Umzug 1733 mit seiner Familie in diesem Haus. Gegenüber steht auf einem nach 3 Seiten abfallendem Felsen die Hauptkirche "St. Marien". Das Innere der Kirche birgt wertvolle Denkmale der Holzschnitz- und Steinmetzkunst und der Malerei sowie die Grabsteine von Lessings Eltern und Großeltern. Von der Kanzel der Kirche hat Lessings Vater 50 Jahre als Pastor gepredigt und Lessing wurde hier getauft. Nach der Besichtigung überquerten wir den Hauptfriedhof und gelangten an eine etwas erhöhte Stelle direkt an der Friedhofsmauer. An der kleinen Steinbank soll Lessings Lieblingsplatz gewesen sein. Wenn man über den Lärm, den 23 Schüler verursachen, hinweghörte, sich nur auf das Vogelgezwitzscher und den herrlich weiten Blick über die Lausitz konzentrierte, fiel es einem nicht schwer, sich vorzustellen, an einem schönen Sommertag da oben zu sitzen, die Augen zu schließen und den Tag zu genießen. Nachdem wir den Friedhof verlassen hatten, kamen wir zum "Feuerhaus". Die oft erneuerte Darstellung über der Eingangstür erinnert an die zahlreichen Stadtbrände, bei denen die Stadt jedesmal in Schutt und Asche gelegt wurde. Noch einmal vorbei am Wochenmarkt, gelangten wir zum Hotel "Goldener Hirsch". In diesem Gasthof fand am 24. Januar 1729 die Tauffeier von Lessing statt. Mit schnellen Schritten liefen wir das letzte Stück, vorbei an der Schule, wieder zurück zum Ausgangspunkt. Hier erwarteten uns schon die anderen Schüler und es fand ein fliegender Wechsel statt. Die 9a machte sich auf den Weg in die Stadt und wir durften in einem kühlen Raum des Lessing-Museums Platz nehmen. Mit Block und Stift ausgerüstet, hörten wir uns aufmerksam den Vortrag einer sehr netten Museumsleiterin an. Obwohl wir Lessings Biographie bereits im Unterricht behandelt hatten, war diese Stunde keineswegs langweilig. Die Dame erzählte uns soviel interessante Details, nicht nur die offiziellen. Danach nutzten wir die Möglichkeit, uns die Ausstellungstücke anzusehen. Nach 2 Stunden Freizeit, die die meisten mit Essen auf dem Markt oder im Park verbrachten, fuhren wir ein bisschen müde, aber trotzdem fröhlich wieder nach Hause. Wir sind der Meinung, dass man solche Exkursionen ruhig öfters mal machen könnte.

Klasse 9a

Bibbernd vor Kälte wartet unsere Masse 9b des Joseph-Haydn-Gymnasiums vor dem sicherlich größten Bussiness - Hotel Dresdens. Auf einmal fährt eine lange, schwarze Luxuslimousine vor. Sie hält direkt neben uns. Ein gut gekleideter Herr steigt aus dem Wagen Der hinzu geeilte Page wird sofort damit beauftragt, das Gepäck von dem Mann in das "Dresdner Hilton" zu tragen. Das an der Frauenkirche gelegene Hotel wurde von 1987 bis 1989. von der schwedischen Baufirma NCC errichtet. Am 1.12.1990 ist es dann offiziell ,unter. dem Namen" Dresdner Hof" eröffnet worden. Seit April 1992 jedoch kennen wir es nun alle als das komfortable Geschäftshotel "Dresdner Hilton". Als die nette PR-Sprecherin Angela Malschewski kommt und uns begrüßt, dürfen auch wir eintreten. Schon in der hohen Empfangshalle bemerken wir den großen Unterschied zu einem gewöhnlichen Urlaubshotel. Wohin wir auch sehen, fällt der Blick entweder auf ein Restaurant, ein Geschäft, ein Café oder eine kleine Informationsstelle für die Hotelbesucher. An der Rezeption sehen wir den feinen Herrn wieder. Er kann sich zwischen mehreren, unterschiedlich ausgestatteten, Zimmern entscheiden. Er wählt die Maisonette-Suite. Als auch wir solch eine Wohnung von Frau Malschewski gezeigt bekommen, verschlägt es uns fast den Atem. Alles ist renoviert und neu eingerichtet. Auf dem Tisch des kleinen Vorraumes, steht eine blaue Schale mit frischem Obst und Süßigkeiten. Über die hohe, glatte Wendeltreppe gelangen wir in ein geräumigeres Zimmer mit einem großen Bett. Im Bad ist alles mit glänzendem, poliertem Marmor ausstaffiert und es gibt sogar zwei Bademäntel. Für unsere Klasse war es das Größte, dass es dort drei Fernseher gibt. Und das für nur zwei Personen! In seinen "DDR-orientierten" Anfangszeiten gab es noch um die 750 Angestellte in dem Hotel. Heute muss die gleiche Arbeit von nur noch 350 bewältigt werden. Damals gehörten allerdings solche Einrichtungen, wie der Friseur und der Bäcker, zum Hotel, die mittlerweile von Privatleuten geführt werden. Überhaupt gibt es im "Hilton-Hotel" keine unerfüllten Gästewünsche, selbst wenn die kaputte Reisetasche über Nacht noch schnell genäht werden muss. Denn für Geld bekommt man im "Dresdner Hilton-Hotel" wirklich alles geboten.

von Louise Kube, Juliane Schütz und Doreen Sanselzon im Namen der gesamten Klasse 9b