DAS INKOGNITO - INTERVIEW mit FRAU HOHMUTH

Vorname: Christine

Geburtstag: "28. März im Jahr der Erstbesteigung des Mount Everest"

Fächer: Deutsch, Kunst

Lehrer seit: 24 Jahren

seit 1991 am JHG

 

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

(lacht) Ich wollte auch 'mal die Größte sein!

Gibt es auch noch andere Gründe?

Ich habe in der 8. Klasse 'mal einen Text diktieren müssen und da war der Lehrer der Meinung, das habe ich so gut gemacht, daß er gleich nach Hause zu meinen Eltern gestürzt ist und denen eingeredet hat, ich wäre befähigt, Lehrer zu werden.

Macht Ihnen die Arbeit mit den Schülern Spaß?

Ich arbeite sehr gern mit Jugendlichen zusammen denn man bleibt selbst jung dabei und sie sind sehr interessiert. Ich mag die Schüler am Gymnasium weil sie große Augen haben und große Ohren... weniger die mit dem großen Mund.

Wie ist das eigentlich mit den "Jugendsünden" - tolerieren Sie diese und wie war das bei Ihnen?

Das ging bei mir sehr spät los. Rauchen, gut, kurzzeitig ja. Probiert haben wir das alle mal. Das sollte jeder für sich entscheiden, aber jeder sollte bewußt mit seiner Gesundheit umgehen.

Am schlimmsten war’s bei mir während der Studienzeit - ich habe, glaube ich, 67 Kneipen in Erfurt gezählt (lacht) und bin dann auch auf Konzerte gegangen... Na, man ist ja nur einmal jung.

Gut, kommen wir zurück zur Schule. Seit geraumer Zeit ist der Kosovokonflikt Thema Nr. 1 - reden auch Sie mit Ihren Schülern darüber?

Wenn es sich spontan ergibt, und die Frage von den Schülern kommt, muß man sich die Zeit nehmen. Es muß ja nicht in jeder Stunde sein.

Manchmal lassen die Lehrpläne ja bestimmt nicht genügend Freiraum - Wie stehen Sie unserem Bildungssystem gegenüber? Was würden Sie gerne ändern?

Ich würde die Bürokratie abschaffen - wir verwalten uns nochmal selber. Ich würde mehr die inhaltliche Seite berücksichtigen, z.B. auch die Lehrpläne noch einmal überarbeiten...

Das hieße speziell im Fach Deutsch?

Ich würde manches konkreter formulieren, aber auch Freiheiten lassen. Daß es Pflichtlektüre gibt ist schon O.K., aber daß man auch selbst bestimmen kann, welche Bücher man einsetzt oder mit den Schülern gemeinsam bespricht ist auch wichtig. Natürlich liegt da auch eine große Verantwortung beim Lehrer.

Ich wünsche mir, daß die Stoffeinheiten logischer aufgebaut sind und man auch fächerübergreifend arbeiten kann.

Was halten Sie eigentlich vom Auswendiglernen?

Ich würde es beibehalten, das schult schon das Gedächtnis - es muß ja nicht soviel sein. Aber ein Gedicht pro Halbjahr sollte gelernt werden. Das heißt ja auch, daß man sich in der Rhetorik und Mimik schult, vor einem Publikum steht, seine Aufregung ablegt.

Welche Werke erscheinen Ihnen als Deutschlehrer besonders bedeutsam?

Ich denke, da man bedeutende Werke der einzelnen Epochen beibehalten sollte. Da sind ja bestimmte Werke auch vorgesehen und andere kann man selbst einbringen - Zusätzlich ist da eigentlich nichts nötig. Ansonsten ist mir auch die Literatur ab '45 sehr wichtig denn gerade die Generation jetzt hat ja diese Zeit vor der Wende nicht so bewußt miterlebt und da kann man gerade über die Literatur 'ne ganze Menge rüberbringen. Ich war ja selber mit Schülern zur Wendezeit in Westberlin und wir haben das hautnah miterlebt aber manche sitzen heute da und hören zu, aber können das selber nicht nachvollziehen.

Für die Schüler der Sekundarstufe 2 ist sicher auch interessant, was Sie vom Kurs- und Punktesystem halten...

Ich persönlich halte nicht viel davon weil ich denke, man könnte es viel einfacher machen. Auch wir Lehrer hatten am Anfang schon unsere Mühe damit. Es ist für meine Begriffe auch eine Verschleierung aber wir haben damit leben gelernt.

Ich muß sagen, daß die inhaltliche Seite - dieser Weg zum Abitur - eigentlich viel bedeutender ist als das Ziel. Klar ist es für die Schüler wichtig, ein gutes Abitur zu machen. Aber der Weg bis dahin, die Schüler zu begleiten, mal wegzufahren mit ihnen, ins Gespräch zu kommen, mal 'ne Ausstellung zu besuchen, ins Theater zu gehen - das sind viel, viel schönere, interessantere Momente und ich denke, wir sollten als Lehrer nicht nur den Lehrplan abarbeiten...

Kürzen Sie das 'mal ein bißchen!" (lacht)

Wenn man in die Sek. 2 kommt, wird ja der Klassenverband aufgelöst und aufgrund der vielen Schüler verlieren sich einige Kontakte. Aber wie ist die Beziehung der Lehrer untereinander?

Ich habe Achtung vor jedem - Lehrer sind Individualisten, sie stehen allein vor der Klasse, müssen alleine kämpfen. Ich würde mir wünschen, daß wir viel mehr Zeit außerhalb der Schule miteinander verbringen. Man müsste viel mehr mit den Schülern und Lehrern zusammenkommen.

Kommen wir nun zu Ihrer Person. Beschreiben Sie sich kurz in 5 Worten!

Ich bin groß, intelligent, witzig (lacht)... Ich bin schweigsam, zurückhaltend, habe wenige begnadete technische Fähigkeiten.

Wenn man, wie Sie eingangs sagten, durch die Schüler jung bleibt: Haben Sie auch noch ausgefallene Träume oder Wünsche?

Um die Welt segeln wie mein Papa, der hat auch die Äquatortaufe hinter sich gebracht - das würde ich gerne mal machen. Ich bin ja vor zwei Jahren mitgesegelt. Das war super, ich habe keine bessere Abschlußfahrt erlebt. Ich freue mich wahnsinnig auf die diesjährige Abschlußfahrt.

Träume habe ich ganz viele. Also der größte ist natürlich Frieden und Gesundheit für alle. Dann so kleine persönliche: Ich projektiere und zeichne zur Zeit die eigenen vier Wände mit meiner Familie. Ich kann mich an vielen kleinen Dingen freuen, zum Beispiel eine kleine Tour auf meinem Rennrad. Mein Wunsch ist, daß das lange erhalten bleibt.

Welche Hobbies außer den schon genannten haben Sie noch?

Die größte Leidenschaft ist mein Mann, dann kommen meine zwei Töchter, dann ... (überlegt) naja das übliche: ich lese gern, ich höre gern Musik...

Welche Musik zum Beispiel?

Klassik von Bach und Beethoven; Bolero ist eines meiner Lieblingsstücke, ich höre aber auch anderes: damals in meiner Schulzeit Pink Floyd und Stones. Heute höre ich auch gerne Tina Turner, außerdem Oasis, oder wie das heißt (lacht), und REM.

Was halten Sie von Hip Hop oder...

(antwortet energisch) Gar nichts, gar nichts, also Techno ...(schüttelt den Kopf)

Wir waren eigentlich bei den Hobbies stehengeblieben.

Ich tanze sehr gerne, habe aber wenig Zeit dazu. Ich male und zeichne sehr gerne.

Damit wären wir auch am Ende unseres Interviews angelangt. Möchten Sie den Schülern noch etwas mit auf den Weg geben?

Man sagt ja immer: Carpe Diem... Sie sollen sich nie ihre Ideale, ihre Begeisterung für etwas nehmen lassen - das ist eigentlich ganz wichtig."

Wir bedanken uns für das Interview.