STRIESEN - DIE NOTWENDIGKEIT DER SCHULE
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ERLWEINS SCHULBAU AUF DER HAYDNSTRASSE

Durch das weitere Anwachsen der Bevölkerung, war ein Schulneubau nun unvermeidlich geworden.

Als Standort wurde vom Rat und den Stadtverordneten die Haydnstraße ausgewählt. Hans Erlwein (1872-1914) sollte, beauftragt vom Rat der Stadt, einen völlig neuen Schultyp entwickeln.


Erlwein erwarb sich in den neun Jahren seines Wirkens in unserer Stadt große Verdienste.
Zu seinen vielseitigen und umfangreichen Bauaufgaben gehörten z. B. :
der Vieh- und Schlachthof in Friedrichstadt, der Gasbehälter Dresden - Reick, das Wasserwerk in Hosterwitz, das Stadthaus in Johannstadt am Güntzplatz, der Artesische Brunnen auf dem Albertplatz, die Schule Weintraubenstraße und das Gymnasium Fiedlerstraße.

Am 06. April 1907 erfolgten die bauliche Abnahme und die Übergabe der Schule.
Erlwein hatte einen bis dahin ungewöhnlichen modern eingerichteten Schulbau geschaffen.

Es beeindruckten

die hohen, hellen Unterrichtsräume Aufgänge, Flure und Gänge die zweistöckige Turnhalle (für Mädchen in der heutigen Aula, für Jungen darunter im Erdgeschoß)
Kinderbibliothek Zeichensaal Nadelarbeitszimmer
Werkraum Kochlehrküche Lehrmittelräume

Weiterhin waren Räume für
die Schulkanzlei, das Direktorzimmer, das Lehrerzimmer und das Konferenzzimmer
projektiert und praktisch eingerichtet vorhanden.
Was ebenfalls für die damaligen Verhältnisse neu war, sind die eingebauten hygienischen Einrichtungen, wie z. B. die Waschräume und Toiletten auf den einzelnen Etagen und die Duschräume. Eine für den Hausmeister vorgesehene Wohnung war vorhanden.
Das gesamte Gebäude verfügte über eine Gasbeleuchtungsanlage mit 2 Uhren zu je 200 Flammen. Treppenhäuser, Gänge, Toiletten und 61 Räume wurden z. B. durch vierflammige Deckenlampen mit Dauerbrenner und emaillierten Eisenblechschirmen erhellt. Eine Vielzahl Messingwandlampen und 49 einfache Deckenlampen sowie eine Hoflaterne gehörten dazu. Diese Anschlüsse sind noch heute im Schulhaus zu sehen.
Blickpunkt an der Fassade unserer Schule war damals bis zur Zerstörung am 13./14. Februar 1945 die große buntgestaltete Uhr mit Ziffernblatt und zwei vergoldeten Zeigern, Geh- und Schlagwerk aus Messing und Eisen auf einem Eisengestell im Glaskasten, mit Stunden- und Viertelstundenschlag und eisernen Gewichten an Kraftseilen.
Große Aufmerksamkeit schenkte der Architekt der Fassadengestaltung hinsichtlich der Einbeziehung von Plastiken und Reliefs. Für die Ornamente und viele andere Details ist Ernst Holtenroth - aus Dresden - verantwortlich.

Jahre erfolgreicher Schultätigkeit wurden auch an der 24.Volksschule durch den Krieg beendet. So diente die Schule während des Krieges als Lazarett und Magazin der Nazis. Ein geregelter Unterricht fand in dieser Zeit nicht statt. Nach Beendigung des Krieges war vorerst jegliche Benutzung der Schulräume unmöglich, da auch der Erlweinbau schwere Beschädigungen erlitten hatte. Obwohl u.a.die Heizungsanlage noch völlig unbrauchbar war, begann im Herbst 1946 im notdürftig hergerichteten Schulgebäude der Unterricht. Die Bedingungen waren für Lehrer und Schüler gleichermaßen schlecht. Aber mit großen persöhnlichen Einsatz vieler Menschen wurde die Schule bis 1954 wieder hergerichtet.

Am 28.10.1967 erhielt unsere Schule während einer großen Festveranstaltung den Namen "Johannes R. Becher" verliehen. Becher war ein Schriftsteller und Kultur- politiker in der DDR. Seit der Wende wird seine Person allerdings kritischer betrachtet. Von bisher "Gymnasium Dresden-Striesen" erhielt die Schule dann 1997 bis auf weiteres den Namen "Joseph-Haydn-Gymnasium".