Die doch nicht überflutete Schule

Neulich fuhr ich gerade mit dem Bus nach Hause, die Schule entfernte sich mit jedem Meter mehr aus meinen Gedanken, und noch ahnte ich nicht, daß nach dieser Busfahrt alles anders sein würde. Um mich herum Stimmengewirr. Doch plötzlich kristallisierte sich das heisere Keifen einer älteren Dame heraus, welche in einen hitzigen Monolog über den steigenden Pegelstand der Elbe und die von ihm ausgehenden Gefahren für die Dresdner Bevölkerung vertieft war. Jede Silbe traf mich wie ein Messer, wußte ich doch, daß nun wieder jeden Morgen Unmengen Niederpoyritzer enttäuscht vor ihrer "doch-nicht-überfluteten" Schule stehen würden, frustriert über die (un)günstige Lage des Gebäudes. Ich hatte so etwas einige Male erlebt und mir wurde, mit einem flüchtigen Blick auf die tatsächlich anwachsende Elbe, klar, daß ich vor allem diese "Katastrophentage" vermissen würde, an denen wir alle gebannt aus dem Fenster starrten - unsere Schwimmwesten immer im Rucksack - und uns abends heimlich trafen um die Regengötter sämtlicher Religionen anzuflehen.

Ich schwelgte in Erinnerungen.

Die Träne, die über mein Gesicht kullerte, trug nicht wesentlich zum Pegelstand der Elbe bei.

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